Albert Rösti und seine Natur

Der Chef der SVP und Knappe von Übervater Blocher ist Dr. der Agronomie ETH. Man würde erwarten, dass der Mann wenigstens in Grundzügen mit ökologischer Forschung vertraut ist und einen wissenschaftlichen Artikel lesen, allenfalls kommentieren kann.

«Der Natur geht es gut.» Diese Aussage im neuen SVP-Parteiprogramm hat uns angesichts der Tatsache, dass in unserer Schweiz die Hälfte aller Lebenräume verschwunden und gut 18’000 Arten akut vom Aussterben bedroht sind, doch etwas verwundert.

 

Also haben wir nachgefragt:

Sehr geehrter Herr Rösti

«Der Umwelt geht es gut .» schreibt die SVP im neuen Parteiprogramm auf Seite 94. Ist das wirklich Ihr Ernst? Was sagen Sie denn beispielsweise zum dramatichen Rückgang der Diversität und Abundanz bei den Vogel- und Insektenpopulationen? Was sagen Sie zum Bienensterben?

Bitte erklären Sie das!

Freundliche Grüsse
Thomas Flück

Antwort von Albert Rösti

Sehr geehrter Herr Flück

Verglichen mit anderen Ländern haben wir tatsächlich in der Schweiz sehr viel getan, saubere Luft und Wasser wie kaum in einem anderen Land. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage zu sehen. Dass wir uns um das Insekten- bzw. Bienensterben trotzdem kümmern müssen, ist klar. Da haben wir keine Differenz.

Freundliche Grüsse

Albert Rösti
Nationalrat

Alles gut?

Nein, das war uns dann doch etwas zu dünn für einen studierten Agronomen. also haben wir nachgefragt:

Sehr geehrter Herr Rösti

Danke für Ihre Antwort. Erlauben Sie mir bitte nachzufragen, nur damit ich sicher bin, Sie richtig verstanden zu haben.

Gemäss BAFU sind in der Schweiz die Hälfte aller Lebensräume und ein Drittel aller Arten (gut 18’000 Spezies!) bedroht.
Finden Sie wirklich, dass es der Natur gut geht?

Im Jahr 2002 haben die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention das Ziel festgelegt, den Verlust der Biodiversität bis 2010 signifikant zu reduzieren. Insgesamt hat die Schweiz dieses Ziel klar verfehlt (BAFU 2010, Lachat et al. 2010).
Ist das der Erfolg der Bestrebungen, den Sie ansprechen?

Kaum in einem anderen Land versprüht die Landwirtschaft so viele Pflanzenschutzmittel wie in der Schweiz.
Sind Ihnen die Konsequenzen wirklich bewusst? Dann ist Ihre Aussage zum Zustand der Natur also zynisch gemeint?

«Er [der Bund] erlässt Vorschriften zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt und zur Erhaltung ihrer Lebensräume in der natürlichen Vielfalt. Er schützt bedrohte Arten vor Ausrottung». (Art. 78 Abs. 4 BV; SR 101) . Für die meisten der gefährdeten Arten stehen die Zeichen weiterhin auf Verlust – und das ohne Aussicht auf eine kurzfristige Kehrtwende. Die Forderung der Bundesverfassung, Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung zu bewahren, wird damit nicht erfüllt.
Bin gespannt auf Ihr Gegenargument!

Die UNO ist tief besorgt über die sozialen, ökonomischen, ökologischen und kulturellen Konsequenzen des Biodiversitätsverlusts. Sowohl der «Global Biodiversity Outlook 3» als auch die «Perspektiven 2030» der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehen davon aus, dass sich der Verlust der Biodiversität fortsetzen wird, wenn nicht drastische Gegenmassnahmen ergriffen werden
(BAFU 2010).
Bitte nennen Sie mir drei „drastische Massnahmen*, die die Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern ergriffen hat, um die Biodiversität zu schützen.

Und last but not least: Welche Gefahr bedroht die Schweiz mehr: Die globale Erwärmung oder der Biodiversitätsverlust?

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antworten und grüsse Sie freundlich,
Thomas Flück

Antwort von Albert Rösti

Lieber Herr Flück.

Die Schweiz hat die sauberste Luft und Wasser kann in jeder Quelle getrunken werden. Wollen Sie nun die Vorschriften so anheben, dass noch mehr Produkte aus Länder mit 1000 ha Betrieben und 1000 Kühen pro Betrieb importiert werden? Unser Selbstversorgungsgrad beträgt gerade mal noch 50%. Wir müssen eben die Zuwanderung steuern, denn die Biodiversität erhalten und innert 11 Jahren eine Million Leute mehr in die Schweiz lassen geht nicht. Der gleiche Bund, der sich über die sinkende Biodiversität in der Schweiz beklagt (Ihre Zahlen aus dem BAFU) will die Zuwanderung nicht steuern.

Freundliche Grüsse

Albert Rösti

Nationalrat

Fazit

Auf unsere Fragen geht Herr Rösti nicht ein. Muss er auch nicht, denn die Universalantwort passt auch hier: Die Ausländer sind Schuld. Bravo! Das nennen wir die brillante Schlussfolgerung eines Staatsmannes, der en dé­tail mit dem Zustand der Natur seines Heimatlandes vertraut ist.

 

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